Die Kuchenkapitulation einer revolutionären Partei

4. Mai 2012 – 11:34

Ich könnte hier jetzt über die Nachricht von den drei Damen aus Simbabwe schreiben, die gestern durch die Gazetten geisterte. Den Ladys war vorgeworfen worden, Männer zu vergewaltigen, um deren Samen abgefüllt in Kondome zu gewinnen. Nach genetischen Tests wurden sie allerdings von den Vorwürfen frei gesprochen – an den 31 benutzten Verhüterlis, die die Polizei im Kofferraum gefunden hatte, waren keine DNA-Spuren der Opfer. Ob angesichts der Tatsache, dass die wahren Täterinnen nun immer noch freiläufig sind, ein massiver Männertourismus nach Simbabwe eingesetzt hat, ist mir allerdings nicht bekannt. Deswegen schließe ich dieses Thema hier ab, es ist mir auch viel zu klamaukbeladen und für Klamauk haben wir ja in Südafrika den ANC.

Die Mitnahme von Heißgetränken zu ANC-Events (hier Schlange zu sowas Ähnlichem: Präsidentschaftswahl 2009) ist auch zukünftig nur bedingt sinnvoll, Hoffnung auf begleitendes Gebäck besteht nicht.

Dessen Vorsitzende Baleka Mbete sorgte dem nahenden Anlass passend kurz vorm 1. Mai mit ihrer Auswertung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der einstigen Befreiungsbewegung und jetzigen Regierungspartei für ein beträchtliches Nachrichtenaufkommen. Der ANC-Geburtstag war zwar schon am 8. Januar und Mbete mit ihrem Report für nachrichtliche Zwecke eigentlich recht spät dran, doch die Erkenntnis der Feier, auf der Präsident Jacob Zuma noch mit für die verarmten Massen so bedeutungslosen Lippenbekenntnissen wie „Die wichtigste Aufgabe ist es, die demokratische Revolution zu beschleunigen“ langweilte, verblüfft vollends: „Es wurde vorgeschlagen, das auf zukünftigen 8.-Januar-Feiern das Essen von Kuchen privat gemacht werden sollte, da es nichts Gutes verheißt vor unseren Mitgliedern und Anhängern zu essen, während diese nicht essen“, ließ das Papier wissen.

Welch revolutionäre Erkenntnis! Gedanken an Brechts Resolution der Kommunarden, an Fensterscheiben und Brot kommen auf (hier sehr schön interpretiert zum Nachhören). Das geht natürlich nicht, dass Politiker sich ein großes Stück vom Kuchen nehmen, während die Habenichtse zuschauen. Das muss heimlich geschehen! In Zukunft will der ANC dem Report zu Folge bei seinen Feierlichkeiten zwar allen Ernstes eine Torte präsentieren, sie dann aber nicht öffentlich verzehren. ANC-Sprecher Jackson Mthembu wusste sogar zu berichten, dass die Partei über Alternativen nachdenke, beispielweise die Torte einem Waisenheim zu spenden. Potzblitz! Man müsse überlegen, wie man die Sache mit dem Kuchen weniger unsensibel gestalten könne, so Mthembu. Fast, so scheint es, hätte er öffentliches Kuchenessen mit dem neuen Modewort „un-ANC“ bedacht, eine Abwandlung des für Widerlichkeiten aller Art verwendeten Klassikers „unafrikanisch“, die Mthembu neulich für das Verhalten des in Ungnade gefallenen und nun suspendierten Jugendliga-Präsidenten Julius Malema gewählt hatte.

Soweit kam es freilich nicht, dennoch verblüfft die Kuchen-Saga. Ich hatte ja während der Live-Übertragung der Feierlichkeiten schon geschluckt (mein eigenes Bier), als der südafrikanische Vizepräsident Kgalema Motlanthe mit dem Spruch „Und diejenigen, die kein Champagner-Glas haben: Immerhin habt ihr Kameras in euren Händen“ zu „Solidarität“ und „Einigkeit“ mit der Führungsspitze anstieß. Das Saufen im Namen des Volkes wollen die Großkopferten allerdings nicht aufgeben, zumindest ließen sie derlei Pläne nicht verlauten. Soviel Änderungen auf einmal wären aber wahrscheinlich auch einfach zu revolutionär für den ANC.

Ausflug ins Paradies

15. April 2012 – 18:14

“Taxi?” – eine einzelne, schüchterne Frage, kein Schwarm nach Aufträgen dürstender Asphaltcowboys, keine aufdringlichen Kofferträger und hinter dem Ausgang gleich ein dominantes Granitmassiv, dicht bewachsen in paradiesischem Grün. Ganz klar: Die Ankunft auf den Seychellen hatte ich mir anders vorgestellt. Ich ließ den Taxifahrer ignorant stehen, vermied jeglichen Blickkontakt und war ein paar Minuten später selbst beschämt über mein in Kapstadt, Johannesburg, Windhuk und sonstwo antrainiertes Verhalten.


Die Seychellen sind anders, das sollte auch die Fahrt über die Hauptinsel Mahé mit der malerischen Hauptstadt Victoria zeigen, die wie eine Mischung aus Fischerdorf und ländlichem Provinzzentrum wirkt. Armenviertel gibt es nicht. Das Bild zog sich durch den gesamten Arbeits-Urlaub, in neun Tagen hat mich nicht ein Mensch angebettelt, für die Leihfahrräder gibt es mangels Dieben keine Schlösser und selbst sichtlich beschwippste, alte Männer, die vorm Kiosk im Schatten sitzen, grüßen mit einem anstandsgeladenen „Bonjour“.


Der lokale Radiosender heißt Paradise FM und beschreibt seine Heimat damit betreffend. Gemeint sind damit nicht nur die Korallenriffe, wo sich rote, gelbe, blaue, hellsilbrige, mattschwarze, hochrückige, kreisförmige, dickliche, aaldünne und torpedoartig schnittige Fische nebeneinander tummeln – Haie, Roch und Meeresschildkröten, Kalamare, Kaui-Schnecken und Felsenhummer nicht zu verschweigen. Gemeint sind auch nicht nur die von Granitklippen durchzogenen Dschungel, in denen Mango- und Avocadobäume neben Bananenstauden und Kokospalmen wild wachsen. Nein, das Paradies beschreibt auch die Kultur der Seychellen, wo selbst die betrunkenen Teenager am Samstagabend auf der Hafenmole nicht auf die Idee kämen, einen ahnungslosen Urlauber aufzuziehen, während die Inselpolizistin am Schreibtisch hinterm Fenster in einen dicken Schmöker vertieft ist.


Robinson Crusoe pur sind die Seychellen nicht mehr, auch La Digue nicht, die einst autofreie Nebeninsel, auf der ich das Gros meiner Zeit verbrachte. Aber die Inseln haben zufriedene Einwohner hervorgebracht, die mit dem Tourismus ein gutes, entspanntes Leben führen können. Armstrong, der Wirt meines kleinen Gasthauses, war einer von ihnen, ein sanfter Bär von Mann, der mir zur frühmorgendlichen Abreise drei Passionsfrüchte mit auf den Weg gab. Die schmecken nach Paradies wie kein anderes Obst, sind im Abgang aber säuerlich, als wollten sie mich daran erinnern, dass mein Aufenthalt in der Traumwelt endlich war. Die nächsten Stationen hießen Johannesburg und Kapstadt, ich habe bereits wieder dutzende Kofferträger und Taxifahrer ignoriert.

Fick das System

14. März 2012 – 14:23

Hat sich zufällig in jüngerer Vergangenheit mal jemand gefragt, was eigentlich aus der Opposition in Simbabwe geworden ist? Nein? Man hört ja auch nicht gerade viel und das liegt in der Regel nicht daran, dass dieser superbrutale Schurkenpräsident Robert Mugabe seine berüchtigten Kriegsveteranen, die eigentlich eher eine üble Schlägertruppe als tatsächliche Ex-Soldaten sind, auf alles hetzt, was sich irgendwie äußert. Gut, seine Polizei hat neulich eine Vorlesung des südafrikanischen Privatisierungsgegners Patrick Bond zu grünen Energien verboten, das ist nicht sonderlich demokratisch. Doch dafür wird Mugabe nicht kritisiert, grün angestrichene Linke zählen schließlich nicht viel, das Schicksal haben sie mit Mugabes nicht-weißen Landsleuten gemein, die er schon in den 80ern aus ethnisch-politischen Gründen systematisch hat verhungern lassen, als die Weißen noch lustige Bauernpartys in ihren Farmhäusern feierten.

Doch zurück in die Gegenwart, wo die Opposition theoretisch an der Macht beteiligt ist, sich aber hauptsächlich selbst im Weg steht. Wenig geholfen hat da auch die Spaltung in eine nach dem nicht sonderlich clever wirkenden Ex-Gewerkschafter und Freund des Westens Morgan Tsvangirai benannten MDC-T –Fraktion und eine MDC-X, benannt nach seinem internen Widersacher, der allerdings so unbedeutend ist, dass ich es mir spare, ihn nachzuschlagen. Mugabe steht nun vor dem ironischen Dilemma, dass er Wahlen abhalten möchte, ihm das aber als undemokratisch ausgelegt wird, obwohl es aus seiner Sicht doppelt Sinn macht, weil er nach den von Gewalt- und Betrugsvorwürfen überschatteten vergangenen Urnengängen ein ziemliches Legitimationsdefizit hat und der politische Gegner derzeit eben so herrlich zerstritten ist. Die Regierung der Nationalen Einheit blockiert sich außerdem permanent selbst, was der Entwicklung des Landes auch nicht unbedingt zuträglich ist.

Und dennoch hat sich Simbabwe – unbeachtet von meiner auf Krisen fixierten Berufsgruppe – langsam wieder aufgerappelt. Ich vernehme das unregelmäßig von Simbabwern, die zurückkehren wollen, die erzählen wie ihre Familien sich neue Existenzen im Land aufbauen oder wie erleichtert sie über das Ende der Inflation sind. Die wohl vielsagendste Szene war neulich ein Gespräch zwischen meinem ehemaligen Fußballtrainer, den ich in Walmer Township besucht hatte und einem Herrn in seinem Pick-up, der sich gerade auf den Weg zurück nach Simbabwe machen wollte. Die beiden kannten sich aus dem Township. „Es ist jetzt besser“, sagte der Simbabwer nur knapp über den Zustand in seiner Heimat, „und die Bildung für die Kinder ist auch besser.“ Das sind wohlgemerkt alles Exilanten und nicht irgendwelche regimetreuen Kader. Doch die Aussage hat noch eine zweite Dimension: Ich hatte den Tag über gerade über die Bildungskrise in Südafrika recherchiert, wo der Präsident alljährlich in seiner Rede an die Nation die Lehrer auffordert wenigstens sieben Stunden täglich zu arbeiten und pünktlich im Klassenzimmer zu sein. Er tut das, weil viele ganze Tage über gar nicht aufschlagen. Und die Lehrer tun das, weil die Arbeitsbedingungen katastrophal sind. Das arme Simbabwe scheint da den Wandel geschafft zu haben, für den das reiche Südafrika nicht einmal ein stichhaltiges Konzept hat. Vielleicht hört man auch deswegen so wenig von der dortigen Opposition, denn deren Berater waren auch seit jeher Südafrikas Berater und die predigen globale Marktorientierung und Privatschulen.

Neulich hat es aber doch mal wieder eine MDC-Politikerin international in die Medien geschafft. Priscilla Misihairabwi-Mushonga, Generalsekretärin der MDC-N (so heißen die also), forderte Männer der eher oppositionellen Ndebele-Minderheit auf, ihre Frauen mit einem Sex-Boykott zu belegen, wenn sie nicht durch den üblichen Tintenfleck auf dem Finger belegen können, bei der Wahl gewesen zu sein.  Ein Termin steht zwar noch nicht fest, aber es ist doch beruhigend, dass wenigstens die Gegner dieses Wahlen fordernden Demokratiefeindes Mugabe das Konzept von freien Abstimmungen verstanden haben.

Aufgetaucht

17. Januar 2012 – 16:52

Nach einem steinpilzreichen Weihnachtsfest begann das neue Jahr mit einem Skandal (auch wenn der eigentlich schon in 2011 angekündigt war). Die südafrikanische Fischereibehörde hat die Saison für Hobby-Langustenfischer wie mich drastisch eingeschränkt. Durfte man in vergangenen Jahren noch bis in den April zwischen den Unterwasser-Felsspalten nach leckeren Krustentieren suchen, ist dieses Jahr mit Ausnahme des Osterwochenendes schon am 15. Januar Schluss. Die Lizenz ist natürlich trotzdem teurer geworden.

Der Blick aus dem Zelt am Weihnachtsmorgen.

Ein wahrlich frohes Fest für Pilzverrückte…

Um dieser drakonischen Einschränkung meiner Lebensqualität ein deutliches Schnippchen zu schlagen, war ich also in den vergangenen zwei Wochen mehr unter der Wasseroberfläche als darüber zu finden. Einzig und allein, um für reichlich Nahrung im Haus zu sorgen natürlich, auch wenn so mancher Tauchgang schon noch das ein oder andere Extra-Schmankerl zu bieten hatte.

Die Fanggründe als Suchbild.


Beim genaueren Betrachten zeigen sich meine neuen Freunde.

Neben zwei Robben besuchte mich einmal gar ein ganzer Schwarm Delfine, einige davon waren so neugierig, dass ich sie hätte berühren können, aber das war mir dann doch nicht ganz geheuer. So ein Delfin hat doch auch ein relativ großes Maul und ist überhaupt wesentlich wendiger und schneller im Wasser als ich das von mir behaupten würde. Auch die Robben habe ich in Ruhe gelassen, zumal ich deren Gesellschaft wegen ihrer Haupt-Fressfeinde sowieso nicht sonderlich schätze.

Der Fang des Tages – oder eine gute Paella.

Wesentlich mehr Euphorie lösten neben den erwähnten Langusten außerdem die geheimnisvollen Oktopoden, von denen einer ebenfalls den Weg in meinen Kochtopf fand, sowie etliche Arten von Seeschnecken, Pocken und Muscheln aus, die sich alle hervorragend in allerlei Meeresfrüchte-Gerichten machen. Nachdem die Pilze den Anfang gemacht haben, erreicht meine Selbstversorgung also ein neues Niveau. Weil die Vermieter die Erzeugnisse ihres Obst- und Gemüsegartens teilen und sogar hin und wieder ein paar Eier der mit Meeresfrüchte-Resten dick gefütterten Hühner verschenken, brauche ich eigentlich nur noch eine Kuh für die Sahne und ein Getreidefeld für die Nudeln, dann wäre die Sache rund.  Bis es soweit ist, werde ich meiner alten Schreiberlings-Profession allerdings noch ein wenig nachgehen, um die kleinen Ernährungszusätze gegen Bares zu tauschen. Zumal mich der eingangs angeprangerte Langusten-Skandal ja sowieso stark in meinem Jäger-und-Sammler-Sein einschränkt. Mitleidsbekundungen für mein hartes Leben bitte in die Kommentare.

Vier Tage wach!

23. Dezember 2011 – 10:18

So, es ist Festive Season und ich kann fast froh sein, dass wir umziehen, weil ich sonst bald gar nichts zu tun hätte. Kein Mensch lässt sich noch interviewen, kein Büro ist noch besetzt und selbst der Herr, der für die ordnungsgemäße Durchführung des Sommers zuständig ist, scheint verreist.

Das dürfte immerhin der diesjährigen Pilzausbeute zugutekommen, ich werde da in den nächsten Tagen mal nachsehen. Genügend feiertägliche Zeit habe ich zumindest, denn der glorreiche Vize-Präsident Südafrikas, Kgalema Motlanthe, hat in Abwesenheit seines Bosses mal fix einen Antrag der Gewerkschaften auf einen zusätzlichen Feiertag durchgewunken. Und das geht so:

Südafrika hat seit jeher die feine Regelung, dass jeder Feiertag, der auf einen Sonntag fällt, landesweit einen freien Montag nach sich zieht. Da einer neulich veröffentlichten, mir nicht ganz geheueren Studie 10 Prozent der Südafrikaner sowieso am Montagmorgen noch betrunken sind, löst das nicht einmal größeren Protest der Wirtschaftsverbände aus. Nun gibt es zum Wiegenfest von Jack Daniels, äh Jesus, 2011 die bis kurz vor Schluss unvorhersehbare Sonderkonstellation, dass der auf einen Feiertag fallende Montag ebenfalls ein Feiertag ist.

Kopfzerbrechen in der Regierung. Der Katastrophenschutz wird einberufen. Astronomische Gutachten werden befragt. Präsident Jacob Zuma flieht in seinen unterirdischen Bunker in Nkandla, die Katastrophe scheint nah. Der Fall ist so heikel, dass selbst die Dauer-Nörgler von der Democratic Alliance keinen Kommentar abgeben.

Doch dann kommt der Super-Vize und gibt einfach den Dienstag auch noch frei. Vier Tage Weihnachten, South African Breweries soll Gerüchten zufolge bereits die Gewinnerwartungen nach oben korrigieren und ich wünsche entsprechend auch Frohe Weihnachten!

Bananen-Republik

2. Dezember 2011 – 20:41

Eben stand ich noch in der normalen Economy Class Schlange am Flughafen East London mit der kürzlich suspendierten Führungsspitze der ANC-Jugendliga (Floyd Shivambu ganz zivil in einer Reihe mit dem gemeinen Volk, ob das wohl immer so war?), nun ruft mich meine Freundin (die dann auch geflogen ist) an und erzählt mir, dass der einstmals große und körperlich wohl schon immer kleine Julius „Juju“ Malema auch auf dem Flug war. Der Gucci-Revolutionär wurde von seinen Partei-Genossen ja schon vor gut zwei Wochen abgeschossen, für den Flieger bestand also keine Gefahr mehr. Die entscheidende Frage ist nun aber: Was macht ein verhinderter Königsmörder ohne gültiges Parteibuch, der angibt künftig als Farmer tätig sein zu wollen, aber gegen seinen Parteiausschluss Berufung einlegt, in Kapstadt? Hoffentlich plant er keine Bananen-Plantage, denn dazu ist das Klima am Kap zu rau und überhaupt sind diese Früchtchen wohl kreuzgefährlich.

Mich hatte ja vor mehr als einer Dekade schon ein Kollege in der Schultheatergruppe gewarnt, dass die Bräunung im Kern der DDR-feindlichen Frucht auf den Gang einer Bananenspinne hinweist. In Südafrika tauchten nun sogar Warnungen auf, dass sich fleischfressende Viren im süßen Fruchtfleisch der Bananen verstecken, allerdings nur in der Provinz KwaZulu-Natal. Das Gesundheitsministerium gab aber inzwischen Entwarnung, man darf also wieder beruhigt zubeißen.

Oder doch nicht? Vorgestern hörte ich jedenfalls erstmals von der Theorie, dass weder Affen noch die CIA sondern – ihr ahnt es – Bananen für die ersten HIV-Fälle verantwortlich waren. Aber vielleicht war es ja doch nur ein Nebenprodukt niederländischer Viren-Bastler. Oder irre US-Geheimdienstler haben kommunistische Affen mit schwarzen Plastiktüten auf dem Kopf und ganz viel Wasser gezwungen, Bananen zu manipulieren. Amnesty International verlangt zumindest gerade, dass Tansania George W. Bush wegen irgendwie ähnlich gearteter Auswüchse inhaftiert. Ich kann ihn mir schon lebhaft vorstellen im Kerker von Daressalam bei Schafseintopf und Bananenkompott. Dagegen haben Floyd, Juju und Co doch ein relativ erträgliches Los gezogen.

Hyänenpolitik und die Suche nach Gründen

18. November 2011 – 13:29

Ich muss gestehen, die vergangenen Wochen waren aus politischer Sicht schon verdammt witzig für mich. Paradoxer Unsinn in Reinform: Der Retter der Armen (und ANC-Jugendliga-Präsident), Julius Malema, flog kurz nach seiner Reise zur Luxus-Hochzeit eines Unternehmerfreundes auf Mauritius auch noch aus dem ANC – für fünf Jahre, ohne Bewährung. Nur Stunden vor seinem ersten Flug führte er noch einen Marathon-Marsch von Johannesburg nach Pretoria an, um für die wirtschaftliche Befreiung zu kämpfen. Danach dann Austern und Champagner. Und nun? Raus und Aus? Natürlich nicht, denn jetzt geht doch die große Show erst los. Schon die Urteilsverkündung war als völlig überfüllte Pressekonferenz im Luthuli-Haus aufgezogen. Schnell gab es in der Tragik-Komödie dann die ersten Lacher, weil der Vorsitzende der Disziplinarkommission bei der Verlesung der ersten Mini-Strafe für einen untergeordneten Anklagpunkt kurz ins Stocken geriet und die Fortführung seiner Begründung mit einem eingeschobenen „Es kommt noch mehr!“ ankündigte. Da freute sich die Meute und wäre Malema selbst anwesend gewesen – er hatte Termine, na klar – hätten wohl nicht wenige gern den ersten Stein geworfen. Doch nix da, das ANC-Hauptquartier ist immer noch ein „revolutionary house“, wie Malema selbst einst feststellte und so sprang der bullige Sprecher des Erwachsenen-ANC gleich auf, drohte mit den Rausschmeißern und untersagte das Gekicher. Anschließend wurde der Sprecher der Jugendliga, ebenfalls in Abwesenheit, für drei Jahre aus der Partei ausgeschlossen, weil er zu einem Journalisten „Fuck you“ gesagt hatte. Das geht ja auch nicht!

Revolutionäre Jugend bei der Friedensdemonstration zum Abschluss der 17. Weltjugendfestspiele im Dezember 2010 in Pretoria. Die ANC-Jugendliga löste bei den Delegation vieler anderer Länder vor allem eines aus: Verwunderung.

Dass Malema anschließend mit markigen Worten in die Kameras der bösen Lügenmedien ankündigte, in Revision zu gehen, war genauso vorhersehbar wie sein Parteiausschluss (wenn auch die Länge überraschend hoch ist). Südafrikas Präsident Jacob Zuma, der selbst schon mit einem Fuß vor der Disziplinarkommission stand, weil er parteiinterne Absprachen ignorierte, neben seinen vier Ehefrauen noch weiter zu wildern, hat die erste Runde des Machtkampfs im ANC gewonnen, aber Juju, wie die Presse Malema hierzulande tauft, kündigt freilich einen langen Feldzug an. Die Feinde feiern, doch die Freude wird kurz sein. Jawoll! Doch diesmal ist es noch schlimmer als beim 60-Kilometer-Marsch nach Pretoria: Immer weniger wollen bis zum Ende mit. In einer politischen Kultur, in der der Gewerkschaftsgeneralsekretär einst von „politischen Hyänen“ sprach, die sich nur selbst bereichern wollen, büßen Verlierer schnell Freunde ein. Denn es geht bei diesem ganzen Geschacher nicht einen Funken um „die Armen“ oder „das Land“, es geht nicht um ideologische Konflikte zwischen Linken und Realos, weit und breit sind weder Kaisertreue noch Nazi-Kommunisten zu sehen. Es geht um Positionen und Einfluss, denn die versprechen Ego und Geld.

Aber wie kann das sein, dass eine politische Kultur so verroht? Noch dazu in einer Partei, deren ältere Kader die Demokratie noch selbst im militanten Widerstand unter Androhung von Folter und Tod erkämpft haben! Deren Genossen in den geheimen Knästen des rassistischen Regimes reihenweise auf Seifestücken in den Tod rutschten oder sich an Wänden selbst den Kopf einschlugen! Wie können Lüge und Gier gewinnen, wo einst selbstloser Kampf gegen einen Vertuschungsapparat siegte? Ich weiß es nicht. Und wenn ich darüber nachdenke, belustigt es mich auch nicht mehr.

Von „Entitlement“ ist im Volksmund dann schnell die Rede, vom Gefühl der politischen Elite, „es verdient zu haben“. Doch das greift zu kurz, denn es erklärt nicht, warum es keine moralische Instanz gibt, die diese selbst-gerechtfertigte Gier in die Schranken weist. Und man möchte hinzufügen, dass Apartheid ja auch im Kern das kollektive „Entitlement“ der weißen Minderheit war – und genau dagegen hat der ANC Zeit seiner Existenz gekämpft.

Ex-Präsident Thabo Mbeki, derjenige, der Südafrika – zusammen mit Nelson Mandela, so traurig das auch ist – 1996 an die Weltbank verkauft hat, meldete sich nun kürzlich mit einem hochgradig interessanten Artikel über den Krieg in Libyen zu Wort, in dem er dem Westen vorwirft, eigene Interessen in Afrika noch immer über die Interessen der Afrikaner zu stellen. Besonders deutlich wurde das, als eine Kommission der Afrikanischen Union (AU) nach Tripolis reisen wollte, um Friedensverhandlungen zwischen Rebellen und der damals noch nicht weggebombten Regierung anzustrengen. Die AU-Vertreter hatten ein Mandat (dieser völkerrechtlich theoretisch wichtige Zettel, um den sich die NATO regelmäßig einen Dreck schert), für das was sie planten. Doch die NATO-Truppen drohten, den Flieger der AU-Repräsentanten abzuschießen. So beugten sich die Afrikaner dem Diktat der Europäer in Afrika, der Rest der Geschichte ist bekannt, Gaddafi inzwischen fein-demokratisch hingerichtet, die Scharia auf dem besten Weg, Gesetz zu werden und die afrikanischen Staatsoberhäupter rudern eifrig zurück, weil sie sich mal wieder wovor fürchten – richtig, der Entscheidungsmacht der Europäer. Mbeki schreibt daher treffend:

„It should not come as a surprise if, over the years, the peoples of Africa lose confidence in the will of multilateral institutions, such as the UN, to help them change their condition for the better. This will happen because we will have come to understand that powerful countries beyond the oceans reserve the right and have the capacity ultimately to decide the future of Africa, with no regard for our views and aspirations as Africans. History will record that the moment of the reassertion of this deadly malaise was when the West, acting through the UN Security Council, dismissed the notion and practice of finding African solutions to African problems. Denied the right to solve its own problems, Africa will inevitably fall victim to ever-continuing conflict and instability.”

(„Es sollte nicht überraschend kommen, wenn die Völker Afrikas über die Jahre das Vertrauen in den Willen internationaler Organisationen wie der UNO verlieren, ihnen dabei zu helfen, ihre Lebensumstände zu verbessern. Das wird passieren, weil wir verstanden haben werden, das mächtige Länder auf der anderen Seite der Ozeane sich das Recht vorbehalten und die Kapazitäten haben, ultimativ über die Zukunft Afrikas zu entscheiden, ohne Achtung für unsere Sichtweisen und Wünsche als Afrikaner. Die Geschichte wird festhalten, dass die Untermauerung dieser tödlichen Malaise der Moment war, als der Westen – agierend durch den UN-Sicherheitsrat – die Idee und Praxis, afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme zu finden, zurückwies. Dem Recht beraubt, seine eigenen Probleme zu lösen, wird Afrika unweigerlich sich ewig wiederholenden Konflikten und Unstabilität zum Opfer fallen.“)

Vielleicht ist das auch eine Antwort für die belustigende und doch so traurige Krise des ANC. Warum sollten Menschen mit ernsthaften politischen Ambitionen, Menschen mit Ideen und Visionen sich noch gegen das gierige, skrupellose Hyänenrudel zur Wehr setzen, wenn die wirklich entscheidende Politik doch in weiter Ferne und auf immer über ihren Köpfen gemacht wird? Traurige Perspektiven, aber das aufheiternd inszenierte Polit-Theater geht ja zum Glück weiter.

Zum Ende kommt der Kuschelfaktor

11. November 2011 – 07:56

So langsam reicht es dann auch mit Namibia. Statt Inhalt setzte ich aber noch einmal auf die Zugkraft von Tierchen. Demnächst dann wieder hard news…

Am Wasser stand ein Elefant,

Dem war’n die Zebras weggerannt

Dem Springbock war es schiet-egal

Der Geier wartet allemal!

So sahen’s auch die wilden Pferde

Und von den Spießböcken ‘ne ganze Herde

Die Löwen ham nicht viel zu lachen,

Auch der Erdwolf kann nichts machen,

Das Nashörnchen geht zur Mama,

Auch Robbie schmeckt’s da wunderbar.

Das Chamäleon zeigt sich verfressen,

Die Giraffen eher angemessen,

Nur die Zebras sind noch dreister

Leicht zum Verdruss dem alten Meister -

Ganz cool bleibt und wird auch um die Backen nicht fahl…

Der alte Hund, der Schabrackenschakal!

Aktivist der ersten Stunde

3. November 2011 – 19:15

Aktiv war ich in diesem Blog länger nicht mehr, dafür aber in Namibia umso mehr. In allen Lagen, aus allen Rohren auf allen Untergründen und zwischen Höhenangst und Tiefenrausch auch in allen Gefühlslagen. Dazu noch ein kleines Fotoalbum, weil ja sonst nichts passiert. Achso, doch, off-topic, ich nehme Bestellungen für die neuen Hosen des Blitzbokke-Rugby-Teams an. Hier geht’s zur Ansicht, köstlich…

Zu Gast in der Austern-Farm. Die Tierchen werden in Körben in die Tiefe des Meeres gehangen, wo sie hübsch wachsen. Und dann komme ich.

Auf Baum-Jagd mit den San. Früher durften sie noch Tiere jagen, doch das – und im Prinzip den gesamten Lebensstil dieses Volkes – haben die hochrechtmäßigen Landbesitzer inzwischen längst verboten. Der weiße Mann kümmert sich eben um den Umweltschutz…

Seitdem in Namibias Hoheitsgewässern einfach niemand mehr mit Netzen Fischen darf, hat sich der Fischbestand immens erholt. Der Kollege am Haken ist ein Adlerfisch und war einer von circa 50 an einem Vormittag – nur an meiner Angel. Die Kollegen waren zum Glück Berufsfischer und konnten meine Fangdienste so einigermaßen gebrauchen. Ich war von einem der leckeren Tierchen – jeweils zur Hälfte in Sashimi und Brat-Filet verarbeitet – schon absolut satt.

Hier brät ein feines Rinder-Steak am Rande der Kuiseb-Schlucht. Unweit haben sich die vor dem Krieg in die Wüste geflohenen Geologen Korn und Martin einst von wilderen Tieren ernährt. Es gibt nicht viele Orte, an denen es sich besser abschalten und Sterne gucken lässt.

Wer auf einer Schafsfarm zeltet, muss auf dem Weg zur Rezeption mitunter Wartezeiten in Kauf nehmen… Das Talent, am Warten nicht zu verzweifeln, sollte man in Namibia aber generell besser mitbringen.

Ach ja, und dann war da noch meine erste Ballon-Fahrt. Heiß war’s und ich selbst überraschend wenig höhenängstlich. Kann ja auch nichts passieren!

 

Fotografischer Ausriss

13. August 2011 – 16:05

Während ich so über dem Reiseführer-Skript am Schreibtisch brüte und draußen der grimmige Winter Port Elizabeths die Fenster und Dachlatten durchrüttelt, liefere ich heute mal ein paar andere Wohn- und Arbeitsorte dieses Jobs nach. Schön war’s…

Die Rundungen der Spitzkoppe

Sonnenuntergangsstimmung an der Palmwag Lodge

Wolf, äh Golf gegen Schakal - es folgte eine friedliche Einigung

Wolf, äh Golf gegen Schakal – es folgte eine friedliche Einigung

Ach wie schön, ein Stück Heimat

Noch mehr Heimat. Nur Essen war ich nicht mit ihr.

Schlossherr auf Onguma Pleins…

und Alleinherrscher in der Eberlanz-Höhle.

Auf den Spuren Gleichgesinnter…

und auf Gleichgesinnten.

Nicht nur in Südafrika scheinen die Reinigungskräfte zu streiken.

Alles nur getoppt vom mächtigen Sambesi und unserer kleinen Privat-Insel mitten im Fluss zwischen Sambia und Namibia. No nation, no border, nur Lagerfeuer und Katzenwelse.