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Streiks in den Minen

28. Juli 2011 – 12:54

SĂŒdafrika: Mindestlöhne scheitern an Maximalgewinnen

Die Forderung klingt hoch: 14 Prozent mehr Lohn verlangt die sĂŒdafrikanische Bergarbeiter-Gewerkschaft NUM fĂŒr ihre Mitglieder. Doch selbst damit wĂ€re fĂŒr viele Arbeiter noch nicht einmal der ebenfalls angestrebte Mindestlohn von 5500 Rand (570 Euro) erreicht. Die Minenbetreiber bieten kaum mehr als einen Ausgleich der offiziellen Inflation von rund fĂŒnf Prozent und ignorieren geflissentlich die drastischen Preissteigerungen bei Strom und Nahrungsmitteln. 250 000 Bergleute in den reichen Goldminen des Landes haben deswegen angekĂŒndigt, ab heute (Donnerstag) unbefristet die Arbeit niederzulegen. Sie schließen sich 155 000 Kollegen aus Diamanten- und Kohleminen an, die seit Tagen streiken.

„NUM appelliert an alle Arbeitgeber im Diamanten-, Gold-, Kohle- und Platinsektor, in die Forderungen von tausenden verarmten Arbeitern einzuwilligen, die jeden Tag zur Arbeit laufen und mit leeren MĂ€gen schlafen“, ließ die grĂ¶ĂŸte Mitgliedsgewerkschaft des sĂŒdafrikanischen Gewerkschaftsbundes COSATU in einer Mitteilung verlauten. In den Unternehmen scheint fĂŒr derlei SentimentalitĂ€ten jedoch kein Platz. Stuart Brown, Finanzvorstand des Diamanten-MarktfĂŒhrers De Beers, warnte dann auch gleich vor unprofitablen Minen und der Bedrohung von ArbeitsplĂ€tzen. Lohnerhöhungen im zweistelligen Bereich könne sich das Unternehmen nicht erlauben. Fast gleichzeitig gab De Beers bekannt, seinen Umsatz mit Rohdiamanten im ersten Halbjahr um 33 Prozent auf den Rekordwert von 3,5 Milliarden US-Dollar gesteigert zu haben. Der Konzern fuhr im gleichen Zeitraum ein Gewinnplus von 55 Prozent ein.

Noch rosiger sind die Aussichten auf dem Goldmarkt. Derzeit kostet die Unze 1617 US-Dollar und ein Ende der Kletterpartie von Höchststand zu Höchststand ist nicht in Sicht. Die Angebote der großen Unternehmen liegen derweil zwischen sieben und neun Prozent. Als „großen Sprung“ und „Zeichen der Verantwortung der Arbeitgeber“ bezeichnete Elize Strydom, VerhandlungsfĂŒhrerin fĂŒr die Goldminen in der SĂŒdafrikanischen Minen-Kammer die Zahlen. Gewerkschaftssprecher Lesiba Seshoka hat dafĂŒr nur ein mĂŒdes LĂ€cheln und markige SprĂŒche ĂŒbrig. „Sie werden selbst sehen können, dass die Wirtschaft wie ein Baby weint“, prognostiziert er, wohlwissend, dass die hohen Marktpreise den Arbeitern in die Karten spielen.

WĂ€hrend sĂŒdafrikanische Analysten den Streiks im Gold- und Diamantentagebau nur geringe Bedeutung fĂŒr die Wirtschaft des Landes zuschreiben, könnte der Ausstand der Kohle-Kumpel schon bald ernste Folgen haben. Ein Großteil des Stroms wird in der Kap-Republik mit Kohlekraftwerken erzeugt. Der staatliche ElektrizitĂ€tskonzern Eskom gibt zwar an, noch Reserven fĂŒr 38 Tage zu haben, doch Seshoka hĂ€lt das fĂŒr puren Bluff. „Es könnte sehr ernste, negative Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben“, droht er. „Die Leute im Betrieb erzĂ€hlen uns, dass sie nur VorrĂ€te fĂŒr drei Wochen haben.“

Derweil zeichnet sich zumindest in der Treibstoff- und Chemieindustrie ein Ende des bereits dreiwöchigen Streiks ab. Gewerkschaften und Arbeitgeber sind nach Angaben der Vermittlungskommission zu einem noch geheim gehaltenen Ergebnis gekommen, ĂŒber das die BeschĂ€ftigten nun abstimmen mĂŒssen. Die Tanklaster könnten also bald wieder rollen. Unklar ist jedoch, wie weit sie kommen, denn seit Montag hat ein ungewöhnlich kalter Winter weite Teile des Landes erfasst. Gestern musste sogar die Autobahn zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Metropolen Johannesburg und Durban wegen starken Schneefalls gesperrt werden.

Erschienen am 28. 7. 2011 in junge Welt.